In Jesus’ Name (resurrected) ist tatsächlich die Geschichte eines wiederauferstandenen Buches. Es geht darin um Machtausübung und Kontrolle innerhalb einer freikirchlichen Organisation, um Zensur und künstlerische Freiheit und nicht zuletzt um die kontroverse Interpretation fotografischer Bilder.
Die Geschichte beginnt im Jahr 2011, als Christian Lutz von der Leitung der evangelikalen Freikirche ICF (International Christian Fellowship) die Genehmigung erhält, ein fotografisches Projekt innerhalb der religiösen Gemeinschaft zu realisieren. Bevor er anfängt zu fotografieren, lässt er sich auf die ICF-Gemeinschaft ein, er wird «zum Schwamm, der alles aufsaugt» (C. L.), beobachtet, führt Gespräche mit den Beteiligten. Auch über die entstehenden Bilder selbst, die einiges offenbaren und vieles andeuten.
Ende 2012 wird das Buch In Jesus’ Name an der Paris Photo erstmals vorgestellt. Ein paar Tage später reichen – organisiert von der ICF-Leitung – 21 der abgebildeten Personen Klage wegen Persönlichkeitsverletzung ein, das Buch wird mit superprovisorischer Verfügung verboten. Noch bevor der eigentliche Prozess beginnt, akzeptiert der damalige Zürcher Verlag von Christian Lutz im März 2013 die gegen sie verfügten vorsorglichen Massnahmen und zieht das Buch freiwillig aus dem Verkauf zurück.
Gemeinsam mit dem Autor haben wir uns 2016 entschieden, alle Bilder aus In Jesus’ Name in einer neuen Fassung zu publizieren, die die Geschichte dieses verbotenen Buches dokumentiert und reflektiert, wobei jede abgebildete Person anonymisiert wird.
Ein wesentliches Element dieser editorischen Reflexion bilden dabei die widersprüchlichen Ausdeutungen der 19 beanstandeten Bilder. Indem die inkriminierten Fotos den Bildinterpretationen aus den zwei Klageschriften einerseits und aus den entsprechenden Repliken der Verteidigung andererseits gegenübergestellt wurden, ist ein aufschlussreicher Diskurs entstanden:
In Jesus’ Name (resurrected) ist eine faszinierende ikonografische Studie in trockener Juristensprache, ein Lehrstück über kontroverse Lesarten fotografischer Bilder. Dabei geht es um die Offenheit und bewusste Uneindeutigkeit künstlerischer Fotografie, aber ebenso um den schwindenden Freiraum eines politisch engagierten Fotografen wie Christian Lutz.